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Projekt Nigeria/Afrika Artikel: Erschienen 2/97 im Magazin "TON ART" der Firma CREATON |
Fritz Glauner, Pforzheim-Birkenfeld: Gastarbeiter in Afrika ![]() Wenn Dachdecker- und Zimmermeister Fritz Glauner morgens sein Haus in Pforzheim verläßt und zur Baustelle fährt, kann es sein, daß er erst nach Wochen zurückkommt. Dafür aber wie frisch aus dem Solarium - seine derzeit größte Baustelle liegt in Äquatornähe im Flußdelta des Niger: die Township lkot Abasi in Nigeria. Das Erdgas, das bei der Erdölförderung im Bundesstaat Akwa-lbom anfällt und bislang abgefackelt wird, soll für die energieintensive Produktion von Aluminium genutzt werden. Deshalb wurde nicht nur ein neues Aluminiumwerk und ein dazugehöriger Seehafen aus dem Boden gestampft, sondern auch eine ganze Stadt für die Mitarbeiter. "Was Dr. Wieselhuber in der letzten "TON ART" über die Chancen handwerklicher Qualitätsarbeit im Ausland gesagt hat, das haben wir am eigenen Leibe erlebt," berichtet Fritz Glauner. "Der Generalunternehmer für den Bau des Aluminiumwerks hatte uns vor drei Jahren wegen eines Schadensfalls am Flachdach der Generator-Station konsultiert. Das Dach wurde von uns saniert. Und als nun die dritte Bauphase der Township anstand, kam man wieder auf uns zu." Bauphase III umfaßt insgesamt 21 Gebäude: Clubhaus, Freizeiteinrichtungen, Wohnhäuser für Vorstand und Management des Alu-Werks. Der Auftrag: 6.375 m2 Dachfläche mit Tondachziegeln einzudecken. Fritz Glauner konnte seine Auftraggeber davon überzeugen, daß angesichts eines Niederschlags von 4000 mm in der Regenzeit nur eine Großpfanne mit höchster Regeneintragssicherheit in Frage kam. So mußten in Großengottern kurz darauf 16 Container mit rund 80.000 Flächen- und Formziegeln "FUTURA" kupferrot engobiert transportsicher beladen und zur Verschiffung nach Hamburg gebracht werden. Und Fritz Glauner setzte zwei seiner sieben Mitarbeiter ins Flugzeug. Die mußten vor Ort nicht nur mit den klimatischen Schwierigkeiten von Regen- und Sonnenzeit und einer Luftfeuchtigkeit bis zu 99 % fertig werden. Ständig war Improvisationstalent gefragt. "Irgendwas fehlt immer oder geht kaputt. Und da macht sich das Fehlen eines gut sortierten Bedachungsfachhandels doch sehr bemerkbar." |
Improvisationstalent gefragt Sich auf ständig neue Aufgaben einzustellen und zu improvisieren, das hat Fritz Glauner schon in der Heimat gelernt. 1980 übernahm er den 1932 vom Vater Fritz Glauner sen. gegründeten Zimmereibetrieb. Drei Jahre später legte er als einer der ersten Zimmermeister in Baden-Württemberg auch die Dachdeckermeisterprüfung ab. Und seither hat er kaum eine Gelegenheit ausgelassen, sich und seine Mitarbeiter fortzubilden. Das hat ihm bei Häuslebauer, Architekten und bei Kollegen im Nordschwarzwald den Ruf eingetragen, der Spezialist für schwierige Fälle zu sein - ob es um deutsch eingebundene Kehlen, um Fledermausgauben oder um Turmdächer mit konkaven Dachflächen geht. Was wiederum dazu geführt hat, daß man vor drei Jahren auf ihn zukam, als in Nigeria... Fritz Glauner war es recht, denn er hält es mit dem alten Hemingway: "Wo dich Afrika zuerst erwischt hat, da bist du Afrikaner, oder du bist es nie." Er ist es sofort geworden.
Gruppenbild mit zwei deutschen Gastarbeitern: nigerianisches Glauner-Team
Clubhaus in Ikot Abasi. Im Vordergrund:Blaue Container aus Großengottern |
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